Ob du bereits seit Jahren im Job stehst, oder gerade nach der Schule und Studium vor dem Berufseinstieg stehst, irgendwann kommt sie für jeden: die Gehaltsverhandlung. Sie wird von vielen gefürchtet, denn im Gespräch ergeben sich viele Fragen. Wie viel ist meine Arbeit wert? Welche Gehaltsforderung ist gerechtfertigt? Ist eine Gehaltserhöhung bereits angemessen und sollte ich pokern? Diese und weitere Fragen beantworten wir dir in unserem Artikel.

Grundlegendes für die Verhandlung

Bei jeder Gehaltsverhandlung gibt es grundlegende Dinge zu beachten. Einige kannst du bereits abschätzen, wenn du bereits bei dem Unternehmen tätig bist und es um eine Gehaltserhöhung geht. Startest du bei einem neuen Unternehmen oder bist Berufsanfänger, helfen dir die folgenden Punkte sicherlich weiter.

Die Unternehmensgröße

Die Unternehmensgröße spielt bei der Gehaltsverhandlung eine große Rolle. In größeren Unternehmen wird in der Regel ein höheres Gehalt gezahlt, als in kleineren Firmen. Außerdem gibt es in größeren Unternehmen häufig Tarifverträge oder Hausverträge, an denen du dich gut orientieren kannst. Bei Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern ist das Gehalt deutlich höher, als in Unternehmen mit 150 Mitarbeitern.

Branche

Deine Gehaltsvorstellung musst du immer mit in deiner Bewerbung angeben. Wenn du also auf der Suche nach einem Job bist, muss dir bewusst sein, dass jede Branche unterschiedliche Gehaltsstrukturen hat. In der Logistik und im Handel verdienst du weniger als im Automotivbereich oder im Finanzsektor. Die höchsten Einstiegsgehälter hast du in der Luft- und Raumfahrtindustrie, Automotive, Pharma, Banken und im Consulting. Die niedrigsten Einstiegsgehälter hingegen in der Marktforschung und Werbung, Tourismus, Öffentlicher Dienst und Medien. Dies sollte in deiner Vorbereitung eine wichtige Rolle spielen, damit du ein angemessenes Gehalt fordern kannst und nicht übertreibst.

Unternehmensstandort

Auch der Standort deines Wunschunternehmens spielt eine große Rolle. Unternehmen in Nord- und Ostdeutschland zahlen niedrigere Gehälter, als im Süden und im Westen.

Deine Erfahrung und deine Ausbildung

Der wichtigste Parameter ist deine persönliche Ausbildung und deine Erfahrung. Hast du bereits viele Praktika in relevanten Unternehmen und Bereichen gemacht oder gar bereits einschlägige Berufserfahrung? Ist deine Ausbildung perfekt auf die Stelle zugeschnitten oder du hast dich so weitergebildet, dass du eine Gehaltserhöhung angemessen findest? Sehr gut, eine aussagekräftige Ausbildung oder ein Studium wirken sich sehr positiv auf dein Gehalt aus.

Vorbereitung

Um eine angemessene Gehaltsforderung stellen zu können, musst du dich perfekt auf das Gespräch oder speziell das Vorstellungsgespräch vorbereiten. Überlege dir relevante und einschlägige Argumente. Deine Gehaltsangabe im Anschreiben kannst du ruhig etwas höher angeben. Übertreibe hier aber natürlich nicht. Pokerst du etwas zu hoch, korrigiert dich dein Gesprächspartner nach unten. Pokerst du hingegen zu niedrig, kannst du im Gespräch nicht deutlich mehr fordern und hast den Vorteil an den Personaler abgegeben. Informiere dich also über die oben genannten Punkte, wie Unternehmensgröße, Standort, etc. Lies dir Blogbeiträge, Interviews mit Mitarbeitern aus den Unternehmen und Gehaltsreports durch, um eine Indikation zu erhalten. Was verdienen Mitarbeiter mit ähnlichen Stellen bei anderen Unternehmen? Dies kann dir Tendenzen ofenbaren. Mach dir für den Berufseinstieg oder für die Gehaltserhöhung Gedanken über dich und den Job:

Wie lautet die Arbeitsplatzbeschreibung? Trägst du Verantwortung, gar Personalverantwortung? Kannst du mehr als das geforderte Erfüllen oder leisten? Top! Eine super Grundlage für mehr Gehalt oder einen guten Einstieg. Wie sahen deine bisherigen Arbeitszeugnisse und Zertifikate aus? Bist du ein Überflieger, dann solltest du dies selbstverständlich berücksichtigen. In deinem Jobprofil oder deinem Traumjob arbeitest du nach Vertrauensarbeitszeit? Dies ist häufig ein Indiz für unbezahlte Mehrarbeit. Dies sollte sich auch positiv in deiner Forderung nieder schlagen. Du leistest mehr als deine Kollegen? Mache dies deinem Vorgesetzten klar, aber achte darauf: Kein Chef möchte einen Mitarbeiter haben, der nach sechs Monaten einen Burnout hat. Schaue dir deinen Lebenslauf ganz genau an, dein Gegenüber wird dies auch tun. Interpretiere jeden Punkt in deinem Lebenslauf: Bringt dir dein Auslandsjahr etwas positiv in deinem Job? Was hast du in deinen Praktika gelernt? All dies liefert dir Argumente für die spätere Verhandlung.

Leite dir vor dem Gespräch eine Argumentationskette her, die genau Begründet, warum du mehr Gehalt erhalten solltest oder warum dein Einstiegsgehalt in deinem geforderten Bereich liegt. Aber Achtung: Verfalle nicht in eine Rechtfertigung. Das schwächt dich in der Verhandlung und macht unsympathisch.

Gehaltsvorstellung

Hast du dich auf Blogs, über Interviews und über Gehaltsreports usw. vorbereitet, steht deine konkrete Gehaltsvorstellung an. Erarbeite eine genaue Summe, die du im Jahr verdienen möchtest. Hier sollten alle Sonderzahlungen inbegriffen sein, wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, 13. Monatsgehalt usw. Informiere dich über Sonderleistungen deines (zukünftigen) Arbeitgebers. Mit in deine Forderung einplanen solltest du mögliche Zuschüsse zu öffentlichem Nahverkehr, zur Altersvorsorge, Vermögenswirksame Leistungen, Essenszuschüsse, Zuschüsse zum Fitnessstudio, denn diese sind am Ende wie ein kleiner Gehaltsbonus. Hast du einen festen Betrag für deine Forderungen, kann es hilfreich sein über einen Gehaltsrechner oder auch Brutto-Netto-Rechner dein Nettogehalt zu berechnen. Dies gibt dir nochmal ein besseres Gefühl, ob du angemessen pokerst. In deiner Bewerbung kannst du mit einem Gehaltsband arbeiten. Du möchtest z. B. 45.000 Euro Gehalt fordern? Gibt in deiner Bewerbung 44.000 bis 46.000 Euro an. Dies zeigt Verhandlungsbereitschaft. Achte in deiner Kommunikation darauf, dass du von deiner Forderung überzeugt bist diese auch wert zu sein. Andernfalls wirkst du unglaubwürdig.

Ein Beispiel: „Meine Grundgehaltsvorstellung liegt zwischen 44.000 und 46.000 Euro brutto im Jahr“.

Gehaltsverhandlung

Ist es endlich soweit und deine Gehaltsverhandlung geht los, wird es ernst. Du hast dich ausgiebig vorbereitet, also glaube an deine geforderte Zahl und vertrete diese. Hast du 45.000 Euro gefordert und dir werden 38.000 Euro angeboten, dann werde nicht nervös. Sprecht ihr über das Gehalt, besteht bei dem Arbeitgeber ein Interesse dich einzustellen! Ist deine Gehaltsforderung angemessen, solltest du dies auch kommunizieren. Sprich: Verkaufe dich nicht direkt unter wert, weil du Angst hast den Job nicht zu bekommen. Erläutere genau, warum du den geforderten Betrag wirklich wert bist und zeige Verhandlungsbereitschaft und mögliches Entgegenkommen. Dies wirkt sympathisch. Dein Gegenüber wird Argumente liefern, wieso er ein niedrigeres Gehalt sieht. Du hast dich vorbereitet: Liefere Gegenargumente und achte dabei auf eine sachlogische Herleitung. Dein zukünftiger Chef wird dir zeigen, ob er bereit ist zu verhandeln.  

Wenn du deine Gehaltsvorstellung genannt hast und es entsteht ein Moment der Stille, dann keine Panik! Fange nicht an nervös darauf los zu sprechen und dich zu rechtfertigen. Dein künftiger Chef möchte vielleicht nur abschätzen, wie du reagierst und wie deine Mimik und Gestik bleibt. Bleib ruhig und konzentriert.

Wenn du in der Verhandlung nervös wirst, ist dies nicht schlimm. Es geht um deine Zukunft und eine Gehaltsverhandlung macht man nicht jeden Tag. Dein Gegenüber ist darin viel geübter. Stelle aber immer intelligente Gegenfragen und deine Leistungen heraus, um die Gesprächsführung in einem wichtigen Thema wie Gehalt nicht zu verlieren.

Gehaltserhöhungen

Du bist bereits seit einiger Zeit in deinem Job tätig und möchtest eine Gehaltserhöhung? Gehaltsverhandlungen sind für dich grundsätzlich einfacher, als für einen Einsteiger. Du weißt was du kannst und kennst deinen Marktwert, was du für das Unternehmen wert bist, was Kollegen erhalten und kannst deinen Chef einschätzen. Achte bei der Terminvereinbarung auf das richtige Timing: Erfüllst du deine Ziele momentan mehr als gut? Perfekt! Dein Unternehmen wächst und ist im Aufschwung? Ebenfalls eine Top-Voraussetzung! Die jährliche Budgetplanung steht bald an? Auch dies ist positiv, da dein neues Gehalt gleich berücksichtigt werden kann. Bietet dir dein Chef einen Betrag an, ist in der Regel noch deutlich mehr drin. Häufig möchte dich das Unternehmen erst einmal ruhig stellen und schauen, wo du dich gedanklich bewegst.

Argumentiere niemals auf Grundlage der Gehälter von Kollegen. Dies wirkt unsympathisch und schwächte deine Position und wirft ein schlechtes Bild auf deine Kollegen. Beachte dies unbedingt. Drohe niemals sofort mit einem Jobwechsel. Dies ist viel zu aggressiv und sollte maximal der letzte Schritt sein. Begründe, warum eine Gehaltsanpassung gerade für dich notwendig ist. Sprich nicht von einer Erhöhung, da dies bereits negativ klingt. Hast du dich gut vorbereitet und konntest viele der Fragen, wie deine Leistungsbereitschaft, deine Vorbildung, deine Ausbildung, deine Zielerreichung etc. positiv beantworten, stehen deine Chancen gut. Fordere für deine Erhöhung einen prozentualen Anteil und keinen harten Betrag an Geld. Einer Studie zufolge sind Gehaltserhöhungen aus Arbeitnehmersicht erfolgreich, wenn mindestens sieben Prozent Steigerung erkämpft wurden. Sprich eine Beförderung als Argument offen an. Sollte es dennoch nicht klappen, vereinbare am besten direkt ein Folgegespräch in sechs Monaten. Sollte es sich dann wieder als aussichtslos erweisen, solltest du dich nach einem neuen Arbeitgeber umschauen.

Kleiner Tipp

Sollte sich die Gehaltsverhandlung aufgrund von Tarifverträgen oder aus anderen Gründen als schwierig erweisen, schlage Alternativen vor: Übernahme des öffentlichen Nahverkehrs, Essenszuschuss, oder einen großen Beitrag in die Altersvorsorge. Hier kann dein Arbeitgeber Sozialabgaben für dich sparen und sagt schneller zu. Außerdem ist dies keine direkte Gehaltserhöhung und dadurch leichter vor Kollegen zu rechtfertigen. Im Alter wird dir diese Strategie rückblickend gefallen.