Hi Linnar, du arbeitest als Chief Operations Officer (COO) bei Candis. Für welche Aufgabenfelder bist du verantwortlich?  

Als COO bist du im Grunde für das tägliche Geschäft zuständig. Ich kümmere mich darum, dass alle Departments aligned sind, die Ressourcen haben um vernünftig arbeiten zu können und habe viel mit Koordination zwischen verschiedenen Teilen des Unternehmens zutun, die normalerweise nicht viel miteinander zutun haben – also quasi so etwas wie das Bindeglied der einzelnen Personen, Projekte und Departments im daily business. Ich befasse mich weniger mit Strategie, sondern eher mit Execution. Ich bin nicht so sehr der „Opportunity-Unlocker“, sondern eher der „Problem-Solver“. Bevor ich bei Candis angefangen habe, war ich zwei Jahre bei Foodora und habe dort das Operations Department in Hamburg aufgebaut und dafür gesorgt, dass alle Lieferungen pünktlich ausgeliefert werden. Schon davor habe ich während meines Studiums eine Recruitingfirma mit aufgebaut, die heute noch erfolgreich besteht.

Wie kam der Kontakt zu Candis zustande und was hat Dich letztendlich überzeugt, bei Candis mit einzusteigen und den Markt für Buchhaltungslösungen zu digitalisieren?

Damals sind zum Glück mehrere für mich positive Faktoren zusammengekommen. Einen der Gründer kannte ich nämlich schon aus dem Studium, seine Recruitingfirma war es, die ich damals mit aufgebaut habe. Als das Produkt bei Candis erstmals stand, hat er mich angesprochen, ob ich nicht bei Candis mit einsteigen möchte. Ich war aus mehreren Gründen sehr schnell überzeugt davon: Mit Point9 konnte Candis schon sehr früh den in Deutschland renommiertesten Venture Capital Fonds für Software-as-a-Service (Saas) gewinnen. Zudem war das Timing perfekt, da sich im Markt für Buchhaltungslösungen durch Machine Learning und Artificial Intelligence (AI) einige spannende Möglichkeiten boten. Das Potential war damals wie heute sehr groß und der Markt für digitale Buchhaltungslösungen riesig. Dass mir das Arbeiten in einem Early-Stage-Startup mehr Spaß macht, ist mir am Ende meiner Zeit bei Foodora bewusst geworden. Foodora ist in diesen zwei Jahren so enorm gewachsen, dass sich die Aufgaben irgendwann stark geändert haben und mehr denen eines Konzerns geglichen haben. Diese Faktoren haben alle dazu beigetragen, dass ich bei Candis unterschrieben habe. Als kleine extra Motivation habe ich zusätzlich Mitarbeiter Anteile am Unternehmen erhalten. Das sorgt natürlich nochmal für extra Motivation, nicht nur für das Gehalt zu arbeiten.

Wie kann man sich jetzt deinen Arbeitsalltag bei Candis vorstellen? Was sind deine Aufgaben und Ziele?

Einmal im Quartal definieren wir gemeinsam mit unserem Management und Beirat unsere Unternehmensziele. Diese unterscheiden sich dann pro Department sehr stark. Ich persönlich verantworte deswegen unsere Produktziele und plane die Implementierung neuer Features.  Auf operationeller Ebene geht es in der Regel darum unsere Profit-Margin zu erhöhen – also dahingehend zu optimieren, dass wir pro Kunde / Feature / Einheit mehr Umsatz erzielen. Unser Marketing ist hingegen verantwortlich für das Wachstum. Dafür nutzen wir vor allem Facebook, LinkedIn und Google, haben aber auch unsere eigenen Mutliplikationsnetzwerke aufgebaut, in dem Steuerberatungskanzleien dabei helfen, unsere Software zu vertreiben.

 

Wie sieht der Alltag als COO bei Candis aus? Hast du viele sich wiederholende Aufgaben?

Eigentlich habe ich keine geregelten Arbeitszeiten und auch wenig sich wiederholende Aufgaben im klassischen Sinne. Es geht in meinem Beruf vielmehr darum, unsere Tätigkeiten am Laufen zu halten. Deswegen habe ich viele cross-funktionale Meetings: In Board Meetings definieren wir die allgemeinen Unternehmensziele, in Townhall Meetings kommunizieren wir unsere Ziele an alle Mitarbeiter von Candis, in Teammeetings zerlegen wir die Ziele in Aufgaben und planen die Ausführung dieser. Das ist sehr spannend, kein Tag ist wie jeder andere. Ich bin bei Candis immer dort, wo es gerade brennt.

Hast du Dich bereits während deines Studiums mit Startups beschäftigt und was sind für Dich wichtige Unterschiede zwischen Startup und Corporate?

Eigentlich war es nur ein Zufall, dass ich durch diese Recruiting Plattform mit dem Thema Startup konfrontiert wurde. Davor habe ich mich weder dafür interessiert oder damit Berührungspunkte gehabt. Inzwischen schätze ich an der Arbeit im Startup, dass man immer alles direkt entscheiden kann. Man ist eigentlich nie durch irgendjemanden oder irgendetwas geblockt. Dazu kommt, dass man sehr viele Freiheiten hat, was die Arbeitszeit, Urlaub oder Sonstiges angeht. Aber gerade, dass man schon früh Verantwortung übernehmen und Teams leiten kann macht Spaß und trägt zu einer steilen Lernkurve bei. Auf der anderen Seite macht man natürlich häufig Fehler und unter schnellem Wachstum leiden oft Strukturen und Prozesse. Mit ein wenig Chaos muss man wohl in jedem Startup klarkommen. Emotional belastend kann es auch manchmal sein, wenn man in den nächsten sechs Monaten pleite gehen könnte. Mit solchen Thematiken ist man in einem Startup deutlich häufiger konfrontiert als in anderen Unternehmen.

“Emotional belastend kann es auch manchmal sein, wenn man in den nächsten sechs Monaten pleite gehen könnte. Mit solchen Thematiken ist man in einem Startup deutlich häufiger konfrontiert als in anderen Unternehmen.”

Viele Studenten stellen sich die Frage ob man nach einem Bachelor-Studium einen Master beginnen sollte – wie ist deine Meinung dazu?

Relativ klare Meinung: Nein! Erstmal arbeiten 2-3 Jahre, ausprobieren was man möchte und Erfahrungen sammeln. Dies hat mehrere Vorteile:

  • Man hat nach 2 bis 3 Jahren arbeiten wieder richtig Lust zu studieren und lernt halt viele Sachen sehr zu schätzen
  • Arbeiten hilft einem, im Studium noch besser zu wissen, was hilfreich ist und was nicht. Ich glaube man kann dann deutlich mehr aus einem Masterstudium rausholen.
  • Generell ist es nach meiner Ansicht ein besseres Profil im Lebenslauf, wenn man zwischen Bachelor und Master gearbeitet hat. Berufserfahrung verschwindet irgendwann vom Lebenslauf, wenn man viel hat, aber das letzte Studium ist immer prominent sichtbar. Da macht es Sinn, wenn man weiß was man will und auch wo man es studieren will. Ich glaube, eine Auszeit von 2 bis 3 Jahren in der richtigen Welt hilft da sehr.