Paul arbeitet in einer großen deutschen Bank im Wealth-Management und hat uns von seiner Trainee-Stelle erzählt. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist dein Background – welche Stationen hast du davor durchlaufen (Studium, Praktikum) bevor du dein Traineeprogramm im Wealth-Management gestartet bist?

Ich wusste eigentlich schon immer, dass ich etwas mit Wirtschaft und Finanzen machen wollte, denn seit ich 12-13 war, hat mich die Börse interessiert. Deswegen habe ich mit 15 mein erstes Praktikum bei einem Börsenmakler absolviert. Da ich vieles nicht verstanden habe, wurde mein Ehrgeiz geweckt und das Ganze hat mich noch mehr fasziniert. Vom Typ bin ich nämlich immer komplett genervt davon, wenn ich eine Sache nicht verstehe, deswegen habe ich begonnen mich tiefer in das Thema “Börse” hineinzuarbeiten: Wie setzen sich Preise zusammen? Wie liest man eine Bilanz? Wie schafft man wo und am einfachsten einen großen Wert? Deswegen habe ich im Bachelor auch Wirtschaftswissenschaften sowie später in Lissabon und Sao Paulo Finance & Banking studiert und dort mein Wissen auch theoretisch weiterentwickelt. Während meines Studiums habe ich dann unterschiedliche Praktika im Bereich Banking gemacht, z.B. bei der Lufthansa, im Investmentbanking, aber auch in sozialen Organisationen, die sich dafür einsetzen, dass auch ärmere Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen bekommen. Generell würde ich sagen, je mehr Praktika man vor dem Job absolviert, desto besser. Gerade wenn ich mich mit Kollegen oder ehemaligen Kommilitonen vergleiche, habe ich eher wenig Arbeitserfahrung in meinem Studium gesammelt. Gerade im Banking & Finance ist der Wettbewerb aber sehr hoch und Stellen zum Einstieg sind nicht so leicht zu bekommen. Wenn man dementsprechend viel neben der Uni in einem Praktikum gelernt hat, kann man sich Vorteile auf dem Arbeitsmarkt verschaffen.

“Generell würde ich sagen, je mehr Praktika man vor dem Job absolviert, desto besser.”

Wie hast Du den Schritt ins Wealth-Management einer Bank geschafft?

Von Natur bin ich ein sehr effizienter Mensch und habe in Research herausgefunden, dass man im Wealth-Management erträgliche Arbeitszeiten hat und ein ordentliches Gehalt verdienen kann. Gerade im Vergleich zu Private Equity bietet hier eine Stelle im Wealth-Management eine deutlich bessere Work-Life-Balance an, was mir sehr wichtig war. So kam Wealth-Management in die engere Auswahl – der Rest war Zufall. Ich habe eine Stellenausschreibung für Wealth-Management mit dem Fokus auf Südamerika gelesen und da ich super gerne reise und bereits längere Zeit in Brasilien gelebt habe, habe ich damals nicht lange gezögert und mich auf den Job beworben.

Viele Studenten Fragen sich, ob sie ein Traineeprogramm durchlaufen oder sich lieber für einen Direkteinstieg bewerben sollten. Du hast das Trainee Programm durchlaufen: Wie ist dieses aufgebaut und worin siehst Du nach deiner Ansicht Vorteile?

Das Programm dauerte insgesamt 1,5 Jahre – davon war ich die meiste Zeit im Wealth-Management, in das ich später auch übernommen wurde. Hinzu kamen 3 Monate mit verschiedenen Rotationen in andere Abteilungen, um auch andere Aufgabenbereiche kennenzulernen. Gerade wenn man sich noch nicht sicher ist, was genau man machen möchte, kann ich ein Trainee-Programm wirklich empfehlen. Andere Banken bieten hier z.B. Programme an, die längere und häufigere Rotationen anbieten. Oft weiß man ja gar nicht genau was man im Asset / Wealth-Management macht und hat dabei dann die Chance, sich alles einmal anzuschauen. Da es sehr schwer ist, im Finanzbereich einen Direkteinstieg zu bekommen, stellen Traineestellen den perfekten Berufseinstieg nach dem Studium dar. Ich kenne eigentlich niemanden aus meinem Studium, der direkt ohne zuvor absolvierter Praktika in der jeweiligen Bank einen Festeinstieg bekommen hat.

“Da es sehr schwer ist, im Finanzbereich einen Direkteinstieg zu bekommen, stellen Traineestellen den perfekten Berufseinstieg nach dem Studium dar.”

 

Was sind deine Aufgaben sowie Ziele als Trainee im Wealth-Management und wie kann man sich einen typischen Arbeitsalltag vorstellen?

Der Arbeitsbereich Wealth-Management ist stark reguliert. Dem Staat muss lückenlos dokumentiert werden, woher welches Geld kommt, um Geldwäsche zu verhindern. Woher kommt das Geld? Wer hat das Geld legitimiert? Woher hat unser Kunde sein Geld? Viele Prozesse sind noch sehr aufwändig und zeitintensiv, auch weil in den Banken noch nicht sehr viel digitalisiert ist. Besonders als Trainee muss man zu Beginn viele dieser regulatorischen Prozesse durchgehen und dabei lernen, die Abläufe zu verstehen. Je länger man dann dabei ist, desto mehr kommen auch Aufgaben in der Beratung hinzu. Bei mir hat es damit angefangen, dass ich mehrere Wochen Vermögensausweise an unsere Kunden versendet habe, bis ich langsam immer mehr in Kontakt mit unseren Kunden gekommen bin und wirklich über Investments reden konnte. Mein Trainee-Programm war darauf ausgelegt, dass ich am Ende qualifizierter Kundenberater bin. In dieser Position bin ich für meine eigenen Kunden verantwortlich, muss dafür sorgen, dass für alle Kunden die notwendigen Formulare eingeholt sind, die Dokumentation stimmt und hauptsächlich über Investments sprechen bzw. Hypothesen miteinander diskutieren. Dabei bieten wir fast alle gängigen Anlageklassen, wie Aktien, Fixed Income, Edelmetalle, Rohstoffe, Immobilienfonds und Private Equity an. Wenn der Kunde fragt, ob wir ihm Informationen zu einem gewissen Fonds bereitstellen können, stelle ich die jeweiligen Unterlagen zusammen, um ihm eine umfangreiche Beratung geben zu können. Das macht natürlich am meisten Spaß! Jeder Vorschlag muss dabei durch ein Tool gehen, das gewissermaßen prüft ob das Angebot zu dem jeweiligen Kunden und seinem Portfolio passt. Kriterien die dabei berücksichtigt werden, sind unter anderem die Aktienquote, die Erfahrung mit ähnlichen Produkten, ein etwaiges Klumpenrisiko oder die Abweichung der Asset-Allokation. An einem typischen Arbeitstag mache ich eine Stunde Research, weitere zwei Stunden arbeite ich Investment Hypothesen aus und den Rest des Tages bin ich mit administrativen Aufgaben und Dokumentation beschäftigt.

Hast du Bücher oder Personen die dich im Bezug auf deine Arbeit besonders inspirieren?

Als die Bibel im Bereich Finance wird Intelligent Investor von Benjamin Graham angesehen und als Person ist sicher Warren Buffett einer der spannendsten Investoren aller Zeiten.